Die große Hinrundenanalyse

Der Verein

 

Die erste Mannschaft des SV Geisingen ist Herbstmeister – im zweiten Jahr nach dem Aufstieg und ein halbes Jahr nach dem Bezirkspokalsieg der nächste Meilenstein des kleinen Städtchens im Landkreis Tuttlingen. Dabei ist der Erfolg des von Ralf Jauch und Benjamin Degen geführten Vereins kein Zufall, wie ein Blick in das Innenleben verrät.

Die beiden Vorstände: Ralf Jauch (links) und Benjamin Degen (rechts).

Mit 287 Mitgliedern ist der SV Geisingen kein Schwergewicht in der Region. Auch das Clubheim ist nicht mehr auf dem modernsten Stand. Zusätzlich bedarf der Haupt- und Nebenplatz einer aufwendigen Sanierung. Doch, und der Titel der hauseigenen Zeitschrift fasst dies unter dem Begriff „Teamgeist“ gut zusammen, der Zusammenhalt innerhalb der gesamten Organisation erlebt gerade seinen vorläufigen Höhepunkt. Vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit ist, neben der individuellen Klasse und der Erfahrung, der Hauptgrund des Höhenfluges des Tabellenersten der Bezirksliga. Da wäre einerseits das das gut ergänzende Trainerteam um Spielertrainer Marijan Tucakovic und Dalibor Tesic, das seit gut 1 ½ Jahren eine überragende Siegesquote von über 62% (Bezirksliga) vorweisen kann. Auf der anderen Seite die Mannschaft, die trotz vieler Ausfälle zu Beginn der Runde, mittlerweile konsequent ihr Potenzial abrufen kann. In einer starken Bezirksliga sind nur zwei Niederlagen kein Makel, gerade nach eigener Führung zeigt sich das Team besonders selbstbewusst. Außer beim unnötigen Unentschieden am ersten Spieltag in Riedöschingen gewann der SVG seine Partien nach eigener Führung immer. Auch die weiteren Zahlen sprechen für sich: Drittbeste Defensive (20 Gegentore), bester Angriff (39 Tore). Nur gegen Königsfeld gelang kein eigener Torerfolg.

Das Trainerteam: Marijan Tucakovic (links) und Dalibor Tesic (rechts).

Und last but not least das Betreuerteam um Maik Dietrich und Roberto Forte, das aufmerksam versucht die Mannschaft nach Kräften zu unterstützen und zu begleiten. Gerade die medizinische Abteilung hatte über die kräftezehrende Hinrunde alle Hände voll zu tun, wie sich in der Detailanalyse später noch zeigen wird.

Die Mannschaft beim Tag des Ehrenamtes 2016.

Die Mannschaft

 

Das Team um die beiden Kapitäne Cyril Bondarev und Alexander Othmer veränderte sich über den Sommer nur geringfügig. Die schmerzhaften Abgänge der beiden Eigengewächse um Danny Heidenfelder und Stefan Klimke wurden mit prominenten Neuzugängen begegnet. Aus Kirchen-Hausen kehrten mit Johannes Amann und Johannes Degen zwei altbekannte Gesichter an den Espen zurück, aus der Fußballschule rückte Marc Dietrich in die erste Mannschaft auf. Das Torwartteam verstärkte Pascal Graf, der aus Möhringen nach Geisingen wechselte. Der fünfte Neuzugang war Qazim Sulejmani. Der quirlige Mazedonier trainierte bereits seit dem Frühjahr mit der Mannschaft mit und ist seit Sommer spielberechtigt.

Die Neuen (v.l.): Johannes Amann, Johannes Degen, Pascal Graf, Marc Dietrich, Qazim Sulejmani.

Insgesamt stehen Spielertrainer Marijan Tucakovic 24 Akteure zur Verfügung. Ungeahnte Möglichkeiten für den Kroaten, der somit auf einen flexiblen und breiten Kader zurückgreifen kann. Gerade die fehlende Breite war in der Vorsaison einer der Hauptgründe, warum zwei Punkte zur Aufstiegsrelegation fehlten.

Oben (v.l.): Johannes Degen, Peter Ochs, Alexander Othmer, Cyril Bondarev, Ivan Brozovic, Dominik Herfort, Simon Federle, Johannes Amann.

Mitte (v.l.): Ralf Jauch, Maik Dietrich, Celil Begit, Marijan Tucakovic, Dalibor Tesic, Jan Degenkolb, Rustam Mamedow, Roberto Forte.

Unten (v.l.): Miroslav Mijatovic, Luca Arceri, Pascal Graf, Marjan Tomasic, Qazim Sulejmani, Marc Dietrich, Antonio Zubcic.

Der Kader

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Detailanalyse - Tor

 

Im Tor war die Hierarchie bereits vor dem Start der Hinrunde geklärt. Der erfahrene Marjan Tomasic war und ist als Nummer 1 gesetzt. Der Kroate, in nunmehr seiner dritten Saison beim SVG, musste lediglich 13 Mal bei zwölf Spielen hinter sich greifen – ein Topwert. Ohnehin gehört der 30-jährige zu den besten seines Fachs auf Bezirksebene. Mittelfristig will ihm Neuzugang Pascal Graf den Platz streitig machen. Der Neuzugang aus Möhringen kam im Verbandspokal zum Einsatz, verletzte sich aber früh in der Saison an der Schulter und ist bis dato noch ohne Einsatz in der Bezirksliga. Die Konstante als Ersatztorwart heißt auch wie in den Vorjahren Michael Riffel. In zwei Spielen gefordert, verließ der SV Geisingen mit ihm im Kasten den Platz nicht als Verlierer. Kurioser Weise ergab sich im Laufe der Hinrunde die Möglichkeit noch einen vierten und fünften Torwart auszuprobieren – wenn auch unfreiwillig. Da im Heimspiel gegen die SG Riedböhringen/Fützen alle Torhüter verletzt ausfielen, durfte Co-Trainer Dalibor Tesic ran – und gewann. Im Pokal, nur wenige Tage später, kam Frank Bausch zu seinem Debüt als Torwart und siegte ebenfalls.

Detailanalyse - Abwehr

 

In der defensiven Reihe setzte Tucakovic kontinuierlich auf den Viererverbund Celil Begit, Ivan Brozovic, Cyril Bondarev und Alexander Othmer. Dabei bekleidete der flinke Begit meist die linke Abwehrseite. Gegen den FV Tennenbronn gelang dem 26-jährigen Türken zudem ein wichtiges Tor. Auf der anderen Seite etablierte sich der Vize-Kapitän und eigentliche Innenverteidiger Othmer, der taktisch meist nach innen rückte und so neben den beiden Innenverteidigern einen Dreierbund bildete. Brozovic und Bondarev bildeten, wie bereits in der Vorsaison, das Innenverteidigerduo. Beide bilden eine wichtige Stütze im Gesamtverbund, haben zudem höherklassige Erfahrung. Mit neun Scorerpunkten sind die Abwehrspezialisten auch eine zusätzliche Offensivwaffe des SV Geisingen. Hinter den vier etablierten Stammverteidigern steht mit Rustam Mamedow einer der flexibelsten Spieler im Kader parat. Vom Außenverteidiger bis zum Stürmer war für den 26-jährigen im Halbjahr alles dabei. Es überrascht also nicht, dass der Flügelflitzer auf 14 Einsätze kommt. Auf etwas weniger Spielzeit  kommt Jan Degenkolb, der immer wieder mit kleineren Blessuren zu kämpfen hatte. Dass der Youngstar grundsätzlich das Potenzial besitzt, um in der Bezirksliga Aufsehen zu erregen, zeigte er mit zwei Vorlagen gegen die SG Riedböhringen/Fützen. Auf immerhin fünf Einsätze kommt das Eigengewächs Marc Dietrich. In seiner Premierensaison reichte es für den 19-jährigen zwar nur zu einem Einsatz über volle 90 Minuten, diese Feuerprobe meisterte der Außenverteidiger mit Bravur. Zudem stehen neun Einsätze bei der zweiten Mannschaft zu Buche.  Seit Jahren verlass ist auf Frank Bausch. Der „Oldie“ besticht auch mit knapp 40 Jahren durch körperliche Präsenz. Zudem machte er im Pokal als Torwart eine ordentliche Figur. Auf lediglich zwei Einsätze kommt Johannes Degen. Dem Rückkehrer machten vor allem Verletzungsprobleme zu schaffen, so dass der variable Abwehrspieler seit Mitte September kein Pflichtspiel mehr bestreiten konnte.

Detailanalyse - Mittelfeld

 

Die meisten Minuten absolvierte der dienstälteste Spieler: Dominik Herfort. Zwar konnte die Nummer Sieben keinen Treffer erzielen, bereitete aber ganze sechs Treffer vor. Damit avancierte der 29-jährige, neben Tucakovic, zum besten Vorbereiter des SV Geisingen. Konstant lieferte auch Peter Ochs, meist auf der zentralen Position vor der Abwehr, ab. Zwar konnte dieser nicht an die starken Scorerwerte der vergangenen Rückrunde anknüpfen, brachte aber eine wichtige und wesentliche körperliche Komponente in das Spiel der Geisinger.  Das Pendant zu Dominik Herfort war meist Lukas Öhler, der eine solide Hinrunde absolvierte. Kleiner Blessuren brachten den schnellen und trickreichen Außenspieler aus dem Tritt, gerade in der Mitte der Hinrunde fiel die Nummer 20 des Öfteren aus. Mit einer hartnäckigen Achillessehnenreizung hatte Simon Federle zu kämpfen, so dass der Shootingstar der vergangen Saison auf überschaubare zehn Einsätze kommt, davon lediglich zwei über die vollen 90 Minuten. Der wichtige Treffer im Derby gegen den FC Gutmadingen dürfte dem zentralen Mittelfeldspieler einiges an Auftrieb geben. Vor der Saison als der wichtigste Neuzugang eingestufte Johannes Amann teilte dasselbe Schicksal wie seine vor ihm genannten Kollegen – eine muskuläre Verletzung zwang den Routinier zu einer längeren Zwangspause. Umso wichtiger war die Rückkehr Ende Oktober, sein Siegtreffer gegen Immendingen bescherte auch ihm den wichtigen Schub an Selbstvertrauen, um in der Rückrunde voll anzugreifen. In seiner zweiten Saison bei den aktiven fällt das Fazit für Simon Indlekofer zwiespältig aus: Bei allen seinen acht Einsätzen verlor der SV Geisingen kein Spiel, gewann dafür sieben Mal. Auch sein Siegtor in der Nachspielzeit gegen Hochemmingen war für die Mannschaft unheimlich wertvoll. Allerdings stand er aufgrund beruflicher Verpflichtungen nicht immer zur Verfügung. Der erfahrene Miroslav Mijatovic war vor der Saison nicht für den Kader der ersten Mannschaft eingeplant, rutschte aber aufgrund der Personalnot zeitweise in die Mannschaft und fungierte als wichtiger Einwechselspieler. Große Hoffnungen ruhen in der Rückrunde auf den wiedergenesenen Antonio Zubcic, der seit dem Frühjahr an einer schweren Fußverletzung laborierte. Zuletzt kam er in der zweiten Mannschaft zum Einsatz, holte sich so wieder erste Wettkampfpraxis. Im letzten Hinrundenspiel in Gutmadingen feierte er nach knapp sechs Monaten sein Comeback in der ersten Mannschaft.

Detailanalyse - Sturm

 

In der Offensivreihe funktionierte bei den Geisingern vieles sehr gut. Zwar fehlte am Anfang der Saison die Effektivität, diese wurde aber im Laufe der Hinrunde zur großen Stärke des Teams. Der Anteil liegt, wie in der Vorsaison, auf zwei Schultern verteilt. Einerseits auf Luca Arceri, der mit 13 Toren zweitbester Knipser der Bezirksliga ist. Der oberligaerfahrene Italiener traf gerade in der zweiten Hinrundenhälfte nach Belieben. Andererseits auf Spielertrainer Marijan Tucakovic, der starke 14 Scorerpunkte zu Buche stehen hat, obwohl dieser in den meisten Spielen als Mittelfeldspieler auflief. Beide zusammen kommen auf 29 Scorerpunkte und sind damit an knapp 75% der Tore beteiligt. Dies war jedoch bereits in der vorherigen Runde so. Der große Unterschied zur Vorsaison heißt Qazim Sulejmani. Der Neuzugang brachte eine neue Facette in das Geisinger Spiel und steuerte fünf Tore und vier Vorlagen in elf Spielen bei. Der Mazedonier ist die Definition der neuen Breite im SVG-Kader. Ebenfalls für Breite sorgt Alexander Rau, der Mitte der Hinrunde zu fünf Einsätzen kam und mit einer Vorlage glänzte. Für die zweite Mannschaft kommt der Angreifer bereits wieder auf sechs Treffer.   

Der Spielplan

Die Tabelle

Die Fieberkurve

Das Trainerinterview

 

- Interview aus der schwäbischen Zeitung -

 

Wie bewerten Sie die Vorrunde für Ihren Verein?

Wir sind alle mehr als zufrieden. Denn mehr als die Herbstmeisterschaft geht nicht. Wir sind auf einem guten Weg und genießen nun die Pause umso mehr.

 

Was war für Sie in der Runde positiv?

Das Team hat immer Charakter gezeigt. Auch wenn der Gegner in Führung lag, haben die Spieler immer versucht, die Partie noch zu drehen. Uns ist es gelungen, einen schnelleren Spielaufbau aufzuziehen. Sprich, das Team agiert in den Partien einfach, aber schnell.

 

Was hat Ihnen in der Runde nicht so gut gefallen?

Nun, dass wir in jedem Spiel mindestens ein Gegentor erhalten haben. Dort muss sich die Mannschaft noch im gesamten Defensivverhalten weiter verbessern. Für uns heißt dies auch, in den 90 Minuten die Konzentration hoch zu halten.

 

Wie hat es personell in der ersten Saisonhälfte ausgesehen?

Mich freut es, dass alle Spieler gesund über die bisherige Runde kamen. Mein Dank gilt meinem Co-Trainer Dalibor Tesic, der das Team stets auf einem guten Fitnessstand gehalten hat. Für die Runde ist es weiter wichtig, dass wir so gut wie möglich verletzungsfrei bleiben.

 

Wie bewerten Sie die Bezirksliga?

Ich denke, die Bezirksliga ist noch stärker geworden. Vorne ist es recht interessant. Sechs bis sieben Teams spielen um die beiden ersten Plätze noch mit. Insgesamt herrscht sowohl um den Aufstieg als auch um den Klassenerhalt viel Spannung.